Vietnam

Warum Du nicht unbedingt einen Führerschein besitzen musst, um Motorrad fahren zu dürfen.

 

Oder warum keiner nachfragt. Der Traum jeden Abenteurers. Mit dem Motorrad durch das Land der Reisfelder, Gebirge und Reisweine. Die Vielfalt in die diesem Land reicht von unberührter, unglaublich schöner Natur bis hin zu überfüllten und lauten Großstädten. Eine Reise in einen Land, welches meiner Meinung nach, zu einem der schönsten Asien gehört. Nicht nur weil die Vietnamesen sehr freundlich sind, sondern auch, weil es jede Menge zu entdecken gibt.

 

Mein Traum war es einmal in meinem Leben, in ein mir völlig unbekanntes Land, ein Motorrad zu kaufen, und mit diesem planlos durch das Land zu fahren. Das ich kein Motorradführerschein besitze, war erst einmal zweitrangig. Und da dieses wohl in Vietnam beliebt ist, flog ich ende November, mit ein 3 Monats-Visum in der Tasche von Myanmar nach Ho-Chi-Minh City. Schon alleine weil die Strecke von Saigon nach Hanoi etwa 2000km beträgt, bietet sich das wohl am besten hier an, dieses Unterfangen durchzuziehen. Ich kaufte mir also mein aller erstes Motorrad. Honda Detech Win 110cc. Customized. Ich verliebte mich sofort. Sie war mein Traum. Einmal abgesehen davon, dass ich schweißgebadet im Hostel ankam, verlief alles reibungslos nach meiner ersten Fahrt durch die Stadt der Millionen Scooter. Eine Strecke von 15min schaffte ich in 60. Ich war so stolz auf mich. Ich hatte vorher auch nicht daran gedacht, wie chaotisch der Verkehr in Ho-Chi-Minh sei. Und auch nicht daran, dass ich eigentlich gar keine Ahnung habe, wie man ein Motorrad fährt.

 

The south

 

Ich fuhr also los...die Entscheidung zu erst, Richtung Süden zu fahren, lag daran, dass die Mitte von Vietnam, mehr oder weniger wegen starker Regenfälle überflutet war. Und auch, weil ich ja genug Zeit hatte. Es ging zum Mekong Delta. Mein erstes Ziel. Can Tho. Die Strecke war ernüchternd. Ich merkte schnell, dass die Straßen der ganzen Strecke, umsäumt waren von Wohnhäusern, Geschäften und anderen Gebäuden. Ich musste mich, um meine ersten vietnamesischen Reisfelder zu sehen, also noch etwas gedulden. Die Stadt war nicht weiter spektakulär. Doch man bekam den ersten Eindruck vietnamesischen Lebens. Mehr Streetfood, mehr local life, weniger Stress. Der Unterschied zu Saigon ist riesig. Ich wollte auch nicht lange bleiben. Ich wollte fahren. Weiter Richtung Süden. Einfach fahren. Weil es so viel Spaß machte. Als nächstes fuhr ich zu den Hafenstädten Rach Gia und weiter nach Ha Tien an der kambodschanischen Grenze. Die Strecke wurde immer grüner. Die ersten Reisfelder waren zu sehen.Wasserbüffel grasten das Land. Kühe kreuzten die Straßen. Lokaler geht es nicht. Tourismus gleich 0. Authentisch gleich 100. Ich fühlte mich tatsächlich wie ein Fremder. Was einerseits ungewohnt war, anderseits aber merkte ich, wie freundlich ich in den kleinen Städtchen empfangen wurde. Da es in der Mitte immer noch heftig regnete, entschloss ich mich, für einige Tage, auf die Insel Phu Quoc zu fahren. Simple as usual, wurde das Motorrad, kurzer Hand auf dem Boot, vorne auf dem Deck angeschnallt. Keine Fähre für Motorräder notwendig. Phu Quoc ist traumhaft. Das lag wohl an den traumhaften Stränden, den Fischmärkten mit dem fantastischem Essen, die wunderbaren Leute die ich treffen durfte oder aber auch an der Atmosphäre. In der Mitte Vietnams regnete es noch heftig. Aus ein paar Tagen wurden also ein paar mehr. Eine Woche. Zwei Wochen. Ich erlebte u.a. Weihnachten und Neujahr mit so wunderbaren Leuten, bei 30ºC am Strand. Was für ein Traum. Und nach schließlich 3 Wochen hieß es dann Abschied nehmen von diesem wundervollen Paradies mit dem ich soviel erleben durfte. In das ich mich verliebte. Ich wollte aber schließlich irgendwann auch noch einmal Hanoi erreichen.

The middle

 

Zurück in Ho-Chi-Minh City angekommen. Der Hauptstadt Trubel lässt wieder einmal grüßen. Ab jetzt ging es zusammen mit meinen Schweizer Bikerkumpel Martin weiter Richtung Norden. Martin und Martin on Tour. Wir verließen Saigon und fuhren nach Vung Tau. Eine entspannte kleine Stadt mit Stränden an der Ostküste Vietnams. Mit der Seilbahn kannst Du hier bis zum Gipfel fahren und die grandiose Aussicht genießen. Wir taten es nicht. Du kannst Dir aber auch die riesige Jesusstatue anschauen. Weiter ging es zu dem Nationalpark nach Cat Tien und anschließend nach Dalat. Ein grandioser vielfältiger Naturpark, Wasserfälle und eine fantastische Landschaft erwarten Dich hier. Und in Dalat hatte ich mit Abstand die besten Frühlingsrollen ever. Mittlerweile wurde auch die 1000km Marke auf dem Tacho geknackt. Was für ein starkes Gefühl. Die Strecke von Dalat nach Phan Rang Thap Cham war atemberaubend. Los ging es auf den Straßen im Hochland und es sollte uns über die weiten Gebirge und grünen Tälern mit deren Reisfeldern, bis hin zurück zur Küste bringen. Zick-Zack Straßen, enge Kurven, grandiose Aussicht, Weiten über Weiten. Was für ein Ritt. Es sollte nicht der letzte dieser Art sein. Auch das Wetter spielte nach wie vor super mit. Bei strahlenden Sonnenschein fuhren wir mit Shorts, Shirts und Flip Flops quer durchs Land. Der warme Wind segelte uns entgegen. Doch das änderte sich ab den nächsten Tagen. Es blieb warm. Jedoch brachen für die nächsten Tage monsumartige Regenfälle auf das Land herein. Der Versuch, die weitere Strecke Richtung Norden mit dem Zug zu fahren, schlug leider fehl. Da es mittlerweile Ende Januar zuging, mussten wir feststellen, dass sämtliche Züge, die nächsten Wochen quasi ausgebucht waren. Leider war das die einzige kostengünstigste Möglichkeit auch unsere Motorräder mitzunehmen. Dadurch, dass das chinesische Neujahrsfest Tet im Februar war, ist das ganze Land in so einer Art Ausnahmezustand. Vietnam bewegt sich. Menschen schließen Ihre Geschäft. Reisen durch das Land, um während des Neujahrsfest, ihre Familien zu besuchen. Sie reisen von Norden nach Süden. Süden nach Norden. Osten, Westen, Westen, Osten. Es war zum heulen. Wir waren in diesem kleinen Nest gefangen. Es regnete ohne Punkt und Komma. Und die Wettervorhersage erzählte uns dasselbe. Wir mussten jedoch weiter. Die Tatsache, dass es immer noch ziemlich heiß war, lies uns etwas motivierender in die Zukunft blicken. Bewaffnet mit Ganzkörperregenschutzplastikanzügen (GKRSPA), schwammen wir also dann nach 3 Nächten, mit etwas mehr als 20km/h Richtung Nha Trang. Dank einiger Lkw`s, die an uns vorbei rasten, war es uns auch möglich die Nässe unter unseren vermeintlich regenfesten Anzügen zu spüren. Was dann nach 100km jedoch auch keine Rolle mehr gespielt hat. Wir waren nämlich bis aufs Mark nass. Wir und unsere Stimmung war auf ihren Höhepunkt angekommen. Nha Trang ist auch für Vietnams Verhältnisse, ziemlich russisch. Speisekarten, Apotheken und Geschäfte in russisch. Das liegt wohl an den täglichen Charter Flügen die aus Russland kommen. Und daran, dass es hier etwas wärmer als in Russland ist. Auch hier kannst Du wieder mit einer Seilbahn vom Festland, hinweg über die wunderschöne Bucht, auf einer Insel gondeln. Auch hier taten wir es nicht. Das Wetter hatte sich mittlerweile wieder auch etwas beruhigt. Über einer Vorort in Quy Hoa, welches mit einer wunderschönen kleinen Strandbucht lockt, ging es weiter nach Hoi An. Die authentische kleine Altstadt zeigt Dir in den Abendstunden Ihre Schönheit mit Hilfe von hunderten kleinen Lampignons, die in den kleinen Gassen hängen. Ganze Straßenzüge in zig verschiedenen schimmernden Rottönen. Auf dem Fluss, verstärken kleine bunte Papierbötchen mit Kerzen dazu noch die Idylle. Jetzt hieß es für uns auf und ab über dem berühmten Hai-Van-Pass. Der Weg zur nächsten Stadt führt etwa 20km entlang eines Küstengebirges. Wenn das Wetter mitspielt, hat man eine fantastische Aussicht auf das Meer und die Landschaft. Wir hatten leider nicht so viel Glück und mussten bei Nebel und leichten Regen losfahren. Jedoch klarte es später etwas auf, was uns die Möglichkeit gab, die grandiose Aussicht auf das weite Meer zu genießen. Der Halt an einer Schranke ermöglichte es uns, den Gästen auf! dem vorbei fahrenden Zug, zu zuwinken. Das Wetter wurde in den nächsten Tagen auch nicht unser bester Freund. Zumal es auch immer kühler wurde. Da wir nur mit Shorts und Shirts ausgestattet waren, hieß es auch einmal shoppen gehen. Wir versuchten jetzt auch nur weiter Richtung Norden zu kommen . Kilometer machen. Teilweise 200 pro Tag. Das war sehr ermüdend. Wir passierten Dong Hoi, Vinh und Ninh Binh. Letzterer Ort ist zu vergleichen, wie Halong Bay, nur auf dem Festland. Eine Wunderschöne Landschaft mit riesigen, teilweise dicht bewachsenen Felsen, die etliche Meter in die Höhe ragen. Reisfelder und kleinere Dörfer runden das perfekte Landschaftsbild ab. Was für eine Idylle.

 

Wir erreichten schließlich Hanoi. Der Tachostand war jetzt bei knapp über 3000km. Wir waren überglücklich. Wir sind quer durch Vietnam gefahren. Und es sollte noch nicht das Ende sein. Wir hatten noch etwa 1 Monat Zeit um im Land bleiben zu dürfen und das beste sollte erst noch kommen. Der Weg Richtung Zentrum war ziemlich entspannt für eine Großstadt. Es lag an Tet. Es war Februar und in 2 Tagen sollte der große Jahreswechsel sein. Nicht wie erwartet mit großen Paraden etc., sondern eher ruhig und ohne Feuerwerk. Anders als in Deutschland. Vielmehr feierten wir Touristen unseren zweiten Jahreswechsel und beobachteten die Vietnamesen, wie Sie traditionell, Ihre Opfergaben vor Ihren Geschäften verbrannten. Was für eine tolle Erfahrung. Der Qualm war überall und ganze Straßenzüge schienen zu brennen.

 

The north

 

Und dann ging es auf zur unseren letzten Etappe. Der große weite Norden. Wir planten einen der größeren Loops zu machen. Das hieß, zu erst auf nach Nghia Lo im nordwesten Hanois. Der Weg aus der Stadt war ermüdend. Die Straßenverhältnisse waren unterirdisch. Schlaglöcher und Huckel, kilometerlang. Nach einer weile jedoch fuhren wir über die ersten höher gelegenen Landschaften. Wo die Straßen auch bedeutend besser wurden. Reisfelder, kurvige Straßen und fantastische Aussichten auf diverse Täler. Es war atemberaubend und es machte so viel Spaß. Ab hier wird man als Gast auch `mal öfters zu einem Gläschen Reiswein eingeladen. Mittag mit Reiswein. Für die nächsten Tage unser täglich Brot. Ablehnen wird hier nämlich als unhöflich gesehen. Der Weg weiter nach Sapa, im Nordwesten Vietnams, war unglaublich. Es ging wieder über unzählige Reisfelder weiter hinauf über mehrere Gebirge. Die Straßen führten uns entlang der Gebirgsränder bis hin hinauf zum Gipfel kurz vor Sapa Town. Wir fuhren bei strahlenden Sonnenschein los, fuhren im Gebirge weiter durch Nebelfelder und endeten bei starken Regen, in der Nacht, im Tal vom Sapa. Zum Glück hatte unser Homestay auch noch 2 Matratzen auf dem Dachboden für uns frei. Wir fuhren ca. 200km an diesem Tag und unsere Nerven waren am Ende. Als dann nach 2 Tagen auch der Regen aufhörte, und wir bereits startbereit waren, entschieden wir uns dann doch noch 2 weitere Nächte zu bleiben. Sonnenschein erblickte das Tal. Und es war atemberaubend. Da es zu dieser Jahreszeit etwas kühler im Norden ist, kam die Sonne wie gerufen. Ideal zum wandern und entspannen. Die Atmosphäre tat sein bestes um uns bei Laune zu halten, und etwas Energie zu tanken. Und wenn nicht gerade in der Nacht, Ratten versuchen, ein Nest in deinem Haar zu bauen, kann ist so ein Homestay sehr angenehm und authentisch sein. Der Weg über Pho Ang nach Ha Giang war wohl einer der schlimmsten von ganz Vietnam. 50 Kilometer fast kein Asphalt. Schotterpisten. 20Km/h. Schlaglöcher. Matsch. Regen. Schlamm. Mitten im Gebirge. Hin und wieder durch ein kleines Dorf. Verloren im Nirgendwo. Das kühle Bier und das Familien Dinner am Abend war dafür um so perfekter. Für die nächsten Tage waren wir eine Truppe von 8 Leuten. America, France, Germany, Switzerland und Holland. Unsere Gang war grandios. Wir organisierten uns unsere Tickets für den Norden und ab ging es los. Nächster Stop, Yen Minh. Wahnisnn. Und scheiße kalt. Je mehr wir Richtung norden fuhren, desto kälter wurde es. Zum Glück gab es Reiswein. Die Fahrt durch das Gebirge war jedoch atemberaubend. Weiten über Weiten. Gebirgslandschaften wo hin das Auge reicht. Reisfelder an Hängen. Reisfelder in Täler. Grüne Berge. Noch grünere Täler. Flussläufe entlang der Zick Zack Straßen. Enge Kurven. Berge rauf. Berge runter. Meine Augen waren feucht. Es war unbeschreiblich schön. Die Nächte in den Homestays waren grandios. Und es gibt nichts authentisches als bei einheimischen zu schlafen. Basic auf Matratzen unterzukommen und mit den Familien gemeinsam zu Essen. Von Yen Minh ging es weiter über Dong Van nach Bao Lac. Ich hätte nicht gedacht, das es noch besser werden konnte. Doch diese Strecke ist mit Abstand die schönste von allem gewesen. Kilometerweite Bergstrecken entlang des Gebirges. Noch höher die Bergkuppen und tiefer die Täler. Grüner die Abhänge. Weiter die Sicht. Es war atemberaubend. Wir erreichten den nördlichsten Punkt Vietnams und konnten nach China schauen. Ein Teil der Strecke führte entlang der chinesischen Grenze. Ich habe gehört man könnte wohl an einem Punkt um den Zaun gehen und sich illegalerweise in China aufhalten, ohne das man kontrolliert wird. Um zumindest eine Zigarette zu rauchen und ein Gruppenselfie zu machen. Aber das scheinen nur Geschichten zu sein, die man so auf Reisen hört :) Unsere Gruppe wurde etwas weniger und wir reisten zu viert weiter nach Cao Bang. Von dort kannst Du einen Tagesritt zu den Wasserfällen an der chinesischen Grenze im Osten machen. Der Weg dorthin ist klasse. Wieder führt uns der Weg durch verschiedene Dörfer. Entlang den grünen Reisfeldern. Bis hin mit etwas brenzligen Situationen mit Kühen auf den Straßen. Es kann aber auch passieren, dass Du unerwartet bei einer Hochzeit landest, und mit den Vietnamesen flaschenweise Reisweine trinkst. Was für eine Nacht. Es ging nun von Cao Bang über Bang Ca zum Ba Be Lake. Ein wunderschöner See eingerahmt von Gebirgen mit einem kleinen Dorf. Die Zeit schien hier still zu stehen. Kein Verkehr. Dörfliches treiben und sehr idyllisch. Ein letzter schöner Stopp, bevor es über Bac Ka dann wieder nach Hanoi ging.

 

 

In Hanoi angekommen zeigte mein Tacho knapp 5000km. Ich war so stolz. Ich bin in knapp 3 Monaten einmal quer durch Vietnam gefahren. Wohl eines der schönsten Erfahrung in meinem Leben. Nicht nur weil es in jeder Region einfach unglaublich schön ist und die Menschen einen so herzlich Willkommen heißen. Sondern auch weil Vietnam sehr günstig zum bereisen ist. Verpflegung, Benzin, Unterkünfte sind im ganzen gleich billig. Da allerdings der internationale Führerschein nicht anerkannt wird, muss ich betonen, dass das Fahren ohne vietnamesischen Führerschein, illegal ist. Als wir jedoch von der Polizei angehalten wurden, mussten wir so eine Art „Gebühr“ bezahlen um weiter fahren zu dürfen. Manch einer nennt so etwas wohl Korruption. Eine Quittung hat man uns vergessen zu geben. Auch der Verkehr ist mit dem im europäischen nicht annähernd zu vergleichen. Regeln gibt es wohl, werden aber nicht eingehalten. Es ist teilweise sehr gefährlich und ich kann mich an vielen brenzligen Situationen erinnern. Daher war unsere Durchschnittsgeschwindigkeit auch eher so bei 50km/h. Ich kann also nur raten mit Erfahrungen so ein Vorhaben durchzuziehen. Es müssen auch nicht 3 Monate sein. Vietnam ist perfekt für 2 Wochen bis hin zu 3 Monaten. Und wenn Du dann einmal auf dem Motorrad sitzt, kannst Du einen der besten Roadtrips Deines Lebens machen.

 

Den ganzen Trip kannst Du Dir auch gerne in meinem Aftermovie anschauen. Ein paar mehr Bilder findest Du hier.

 


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